Die Preisbildung in der Marktwirtschaft


Preisbildung bei vollkommenem Markt

Die Preisbildung auf den verschiedenen Märkten wird mit Hilfe von Modellen beschrieben, die ein vereinfachtes Abbild der Wirklichkeit darstellen. Durch Setzung von Prämissen schafft man zunächst ein sehr einfaches, aber wirklichkeitsfernes Modell. Eine Annäherung an die Realität und eine Erhöhung der Aussagekraft der Modelle gewinnt man durch allmähliche Auflösung der Prämissen.

Bei der Darstellung der Preisbildungsprozesse besteht das grundlegende Problem, daß die zugrundegelegten, mathematisch beschriebenen Kurvenverläufe (insbesondere die Entwicklung der Nachfrage), in dieser Exaktheit nicht bekannt sind und daher auch die Ergebnisse der Modellbetrachtung eine falsche Genauigkeit vortäuschen.

Prämissen des vollkommenen Marktes

Für einen vollkommenen Markt gelten folgende Voraussetzungen:

Es fehlen sachliche, persönliche, räumliche und zeitliche Präferenzen (Bevorzugungen). Die auf dem Markt gehandelten Güter sind vollkommen gleichartig (homogen), z. B. hinsichtlich der Qualität, Ausstattung, Farbe usw. Käufer und Verkäufer bevorzugen sich nicht persönlich, z. B. bedingt durch verwandtschaftliche Beziehungen oder besonders zuvorkommende Bedienung. Kein Anbieter hat einen begünstigten Standort. Sämtliche Anbieter sind in der Lage, sofort zu liefern, sämtliche Nachfrager, die Güter sofort abzunehmen.

Es herrscht vollkommene Markttransparenz (Marktübersicht). Käufer und Verkäufer verfügen über alle erforderlichen Marktinformationen, z. B. über die angebotenen bzw. nachgefragten Mengen und die jeweiligen Preisvorstellungen.

Alle Marktteilnehmer handeln nach dem erwerbswirtschaftlichen Prinzip. Die Produzenten erstreben das Gewinnmaximum, die Konsumenten das Nutzenmaximum, d. h. sie versuchen, den höchsten Ertrag ihres Einkommens durch optimale Bedürfnisbefriedigung zu erzielen.

Sämtliche Anpassungsprozesse im Betrieb und auf dem Markt vollziehen sich unendlich schnell.
Fehlt eine der obengenannten Prämissen, handelt es sich um einen unvollkommenen Markt. Einen vollkommenen Markt gibt es in Wirklichkeit nicht; sehr nahe kommen ihm die Wertpapierbörsen.

Preisbildung bei vollkommenem Polypol

Auf dem polypolistischen Markt stehen viele Anbieter mit jeweils kleinen Marktanteilen vielen Nachfragern gegenüber.  In der Realität gibt es keine Polypole mit nur kleinem Marktanteil. Der Gleichgewichtspreis räumt den Markt, d. h. hier wird zu diesem Preis am meisten angeboten und auch abgesetzt. Deshalb ergibt sich bei höherem Preis eine Nachfragelücke und bei niedrigerem Preis eine Angebotslücke.

Die Preis- und Kostengestaltung ist für den einzelnen Anbieter eine wichtige Größe. Den Marktpreis kann er aber im Unterschied zu den Kosten nur wenig beeinflussen. Er verhält sich daher als Mengenanpasser.

Gesamtmarkt

Der Gesamtmarkt läßt sich geometrisch durch gemeinsamen Eintrag der Markt-angebots- und Marktnachfragekurve in ein Koordinatensystem darstellen. Entgegen dem üblichen Verfahren in der analytischen Geometrie ist es in der Preistheorie üblich, die unabhängige Variable (p = Preis) auf der y - Achse, die abhängige Variable (x = Menge) auf der x - Achse abzutragen.

Der Schnittpunkt beider Kurven gibt den Marktpreis bzw. Gleichgewichtspreis (p0) und die Gleichgewichtsmenge (x0) an. Hier stimmen das Gesamtangebot und die Gesamtnachfrage überein. Bei einem höheren Preis (p1) übersteigt das Angebot die Nachfrage; es besteht somit ein Angebotsüberschuß bzw. eine Nachfragelücke. Bei einem niedrigeren Preis (p2) ist die Nachfrage größer als das Angebot; es kommt zu einem Nachfrageüberschuß bzw. einer Angebotslücke.

 
 


Den Käufern, die eigentlich einen höheren Preis als den Gleichgewichtspreis zu zahlen gewillt sind, entsteht eine Ausgabeersparnis (Konsumentenrente). Entsprechend ergibt sich eine produzentenrente für die Verkäufer, die aufgrund ihrer Kostenstruktur bereit sind, auch zu einem niedrigeren Preis als dem Gleichgewichtspreis anzubieten. Diese Anbieter erzielen einen zusätzlichen Gewinn.

Im Zeitablauf kommt es zu einer fortwährenden Änderung von Angebot und Nachfrage, da sich z. B. die Kostenstruktur der Betriebe oder das Einkommen der Haushalte ändert. Geometrisch äußert sich dies in einer Verschiebung der Angebots- und / oder Nachfragekurve und damit einer Veränderung des Gleichgewichtspreises und der Gleichgewichtsmenge.

Bei konstantem Angebot führt eine Steigerung der Nachfrage (Rechtsverschiebung der Nachfragekurve von (N1) auf (N2)) zu einer Erhöhung des Preises von (p1) auf (p2) und einer Ausweitung der Gleichgewichtsmenge von (x1) auf (x2). Dieser Marktmechanismus ist durch folgende Verhaltensreaktionen der Marktteilnehmer zu erklären: Die Ausweitung der Nachfragemenge hat zunächst zur Folge, daß beim Preis (p1) die Menge (x1') nachgefragt, aber nur die Menge (x1) angeboten wird; es besteht demnach ein Nachfrageüberschuß.

Ein Teil der Nachfrager wird nun bereit sein, für das Gut einen höheren Preis zu zahlen. Eine Preissteigerung eröffnet den Anbietern erhöhte Gewinnchancen; sie werden daher durch Auslastung oder Erweiterung ihrer Kapazitäten die Produktion dieses Gutes erhöhen. Durch die Ausweitung der Nachfrage wird also ein Anpassungsprozeß in Gang gesetzt, der nach einer gewissen Zeit zu einem neuen Marktgleichgewicht führt.

Der Nachfrageüberschuß, der beim Preis (p1) bestand, ist verschwunden, da bei dem neuen Gleichgewichtspreis (p2) die nachgefragte Menge gesunken und die angebotene Menge gestiegen ist. Entsprechend umgekehrt verhält es sich bei einem Rückgang der Nachfrage.

Bei konstanter Nachfrage hat ein größeres Angebot (Rechtsverschiebung der Angebotskurve von (A1) auf (A2)) eine Senkung des Preises von (p1) auf (p2) und eine Erhöhung der Gleichgewichtsmenge von (x1) auf (x2) zur Folge und umgekehrt.
 
 

Die Höhe der Mengenänderung, die sich aus einer bestimmten Preisänderung ergibt, ist dabei von der direkten Preiselastizität des Angebots bzw. Nachfrage abhängig. Den Begriff der Preiselastizität der Nachfrage führte der Nationalökonom Alfred Marshall (1842 bis 1924) ein, um zu beschreiben, wie sich die nachgefragte Menge nach einem Gut ändert, wenn dessen Preis um einen bestimmten Betrag steigt oder fällt.

Die direkte Preiselastizität der Nachfrage wird mit Hilfe des Elastizitätskoeffizienten (ElN) definiert. Dieser Koeffizient zeigt das Verhältnis einer prozentualen Nachfragemengenänderung zu einer prozentualen Preisänderung an.
 

Da in diesem Fall die Preis- und Mengenänderungen gegenläufig sind, würde sich für die Elastizität eine negative Größe ergeben; durch Multiplikation mit (- 1) erhält man einen positiven Wert, mit dem sich bequemer arbeiten läßt. Der Elastizitätskoeffizient kann zwischen 0 und Unendlich variieren, wobei die Werte im Regelfall in jedem Punkt der Nachfragekurve unterschiedlich sind. Man spricht in diesem Fall von einer Punktelastizität.

Nachfragesituation für den einzelnen Anbieter

Für den einzelnen Anbieter auf dem polypolistischen Markt stellt der Marktpreis eine gegebene, von ihm nicht zu beeinflussende Größe dar. Würde der einzelne Anbieter seinen Preis über dem Marktpreis ansetzen, so würde er bei der zugrunde gelegten vollkommenen Marktübersicht der Nachfrager nichts verkaufen können.

Würde er einen niedrigeren Preis verlangen, so würden alle Nachfrager bei ihm kaufen wollen. Wegen seiner geringen Kapazität könnte er die große zusätzliche Nachfrage aber gar nicht befriedigen. Der einzelne Anbieter verhält sich daher als Mengenanpasser, d. h. er wird bei gegebenem Marktpreis die für ihn
 

gewinnmaximale Menge auf dem Markt anbieten. Wie bereits dargestellt, wird das Gewinnmaximum bei S-förmigem Gesamtkostenverlauf dann durch den Schnittpunkt der Grenzkostenkurve mit der Preisgeraden bestimmt. Bei linearem Gesamtkostenverlauf liegt das Gewinnmaximum an der jeweiligen Kapazitätsgrenze.

Funktionen des Preises auf polypolistischen Märkten

In einer freien Marktwirtschaft erfüllt der Preis verschiedene Funktionen. Die nachstehend genannten Preisfunktionen treffen in ihrer Gesamtheit nur für Polypolmärkte zu; wie noch gezeigt wird, erfahren sie auf Oligopol- und Monopolmärkten eine mehr oder minder starke Einschränkung.
 

Gleichgewichtsfunktion: Der Preis stellt das Gleichgewicht zwischen Angebot und Nachfrage auf dem Markt her.

Signalfunktion: Der Preis signalisiert den Knappheitsgrad eines Gutes. Dabei ist nicht die absolute Preishöhe relevant, vielmehr zeigen Preisänderungen an, wie sich die Knappheitsverhältnisse verschieben.

Allokationsfunktion: Der Preis lenkt das Angebot und damit den Einsatz der Produktionsfaktoren auf diejenigen Märkte, bei denen die größte Nachfrage herrscht und folglich der höchste Preis und damit der höchste Gewinn zu erzielen ist.

Erziehungsfunktion: Da im Falle des polypolistischen Anbieters der Preis eine von ihm nicht beeinflußbare Größe ist, wird der Produzent versuchen, möglichst sparsam mit den Produktionsfaktoren umzugehen, um seine Kosten niedrig zu halten und den Gewinn zu maximieren. Andererseits werden auch die Nachfrager bestrebt sein, die preisgünstigsten Einkaufsmöglichkeiten wahrzunehmen, um ihren Nutzen zu maximieren.

Preisbildung bei vollkommenem Angebotsmonopol

Im Fall eines Angebotsmonopols gibt es definitionsgemäß auf einem Markt nur einen Anbieter, der einen Marktanteil von 100% besitzt, und viele Nachfrager. Im nachfolgenden Modell wird weiter unterstellt, daß der Monopolist nur ein einziges homogenes Gut anbietet.

Die dem Monopolisten gegenüberstehende Nachfrage entspricht der Gesamtnachfrage des Marktes, d. h., die Gesamtnachfragekurve ist identisch mit der individuellen Preis-Absatz-Funktion (PAF) des Monopolisten. Dabei wird unterstellt, daß die individuelle Einschätzung des Monopolisten über die bei alternativen Preishöhen abzusetzenden Mengen dem tatsächlichen Marktverhalten der Nachfrager entspricht. In Wirklichkeit wird dies allerdings in der Regel nicht der Fall sein.

Die Gesamterlöskurve (Umsatzkurve) des Monopolisten errechnet sich aus der Multiplikation von Menge und Preis. Dabei werden die sich aus der Preis-Absatz-Funktion ergebenden unterschiedlichen Preis-Mengen-Kombinationen zugrunde gelegt. Der realitätsferne Stückpreis von 0,- DM ist hier als ein rein modelltheoretischer Grenzfall anzusehen.
 
 

Wie aus der Abbildung ersichtlich, hat die Gesamterlöskurve (E(x)) bei Zugrundelegung einer linearen Preis-Absatz-Funktion die Form einer Parabel. Das Erlösmaximum (Em) liegt dann genau in der Mitte der Nachfragekurve. Bis zu diesem Maximum sind die Erlöszuwächse (Grenzerlöse) positiv, danach negativ.

Die Grenzerlöskurve (E'(x)) schneidet demnach im Erlösmaximum die x-Achse; sie ist beim Monopol nicht identisch mit der Preiskurve, sondern verläuft stets unterhalb dieser. Das ist damit zu erklären, daß bei einer Erhöhung der gesamten Absatzmenge um ein Stück der Preis nicht nur für dieses eine, sondern für alle Stücke fällt.

Wird der Absatz z. B. von zwei auf drei Stück erhöht, so sinkt der Stückpreis für alle drei Einheiten von 900,-DM auf 850,-DM, da unter der Annahme eines vollkommenen Marktes nur ein einheitlicher Monopolpreis existiert.

Der Gesamterlös steigt von 1.800,- DM auf 2.550,- DM, d. h., der Grenzerlös beträgt 750,- DM. Würde der Preisrückgang sich nur auf das dritte Stück beziehen, so beliefe sich der Gesamterlös auf 2.650,- DM: der Grenzerlös wäre dann 850,- DM und würde damit dem Preis entsprechen.

Der Angebotsmonopolist befindet sich im Vergleich zum Polypolisten in einer völlig anderen Situation, da er die Preise beeinflussen kann. Er kann entweder den Preis oder die Absatzmenge gemäß seinen Vorstellungen bestimmen, d. h., er kann eine geringe Menge zu einem hohen Preis oder eine große Menge zu einem niedrigen Preis absetzen.

Die Größe, die der Monopolist vorgibt, wird als Aktionsparameter, diejenige, die er akzeptieren muß, als Erwartungsparameter bezeichnet. Der Monopolist wird nun bestrebt sein, die für ihn gewinnmaximale Preis-Mengen-Kombination zu finden.

Die größte Differenz zwischen Gesamterlös und Gesamtkosten ist bei der Ausbringungsmenge erreicht, bei der eine Tangente an die Gesamterlöskurve (E(x)) parallel zur Gesamtkostenkurve (K(x)) (bei S-förmigem Gesamtkostenverlauf: parallel zu einer Tangente an die Gesamtkostenkurve) verläuft; hier ist die Steigung der Gesamterlöskurve (= Grenzerlös E'(x)) gleich der Steigung der Gesamtkostenkurve (= Grenzkosten K'(x)).

Fällt man von diesem Tangentialpunkt das Lot auf die x-Achse, so stellt der Schnittpunkt zwischen der Senkrechten und der Preis-Absatz-Funktion den sog. Cournotschen Punkt dar: dieser Punkt zeigt den gewinnmaximalen Preis (pc) und die gewinnmaximale Menge (xc) an. Das Gewinnmaximum läßt sich entsprechend auch dadurch bestimmen, daß man im Schnittpunkt der
Grenzerlös- und der Grenzkostenkurve eine Senkrechte errichtet, die wiederum die Preis-Absatz-Funktion im Cournotschen Punkt schneidet.
 


 

Auf monopolistischen Märkten ist der Preis höher und die angebotene Menge geringer als auf polypolistischen
Märkten, wo Preis und angebotene Menge durch den Schnittpunkt der Angebotskurve (Grenzkostenkurve) mit
der Nachfragekurve (Preiskurve) bestimmt werden.

Allerdings erfährt die Preispolitik des Monopolisten in der Praxis zahlreiche Einschränkungen. So kann ein hoher Monopolpreis dazu führen, daß die Käufer verstärkt auf Substitutionsgüter ausweichen. Des weiteren kann ein hoher Preis staatliche Eingriffe zur Folge haben, um die Güterversorgung der Bevölkerung zu sichern. Schließlich läuft der Monopolist Gefahr, daß durch einen hohen Monopolpreis Konkurrenten angelockt werden und er somit seine Monopolstellung verliert.

Preisbildung bei vollkommenem Angebotsoligopol

Bei einem Angebotsoligopol stehen wenigen großen Anbietern viele Nachfrager gegenüber. Auf oligopolistischen Märkten hat man eine weitgehende Starrheit der Preise festgestellt, d. h., die Oligopolisten erhöhen gemeinsam ihre Preise, z. B. durch Bildung eines Kartells, oder sie überlassen einem Marktführer die Preispolitik und ziehen gemeinsam nach. Dabei kann die Preisführerschaft abwechselnd von verschiedenen Oligopolisten übernommen werden.

Geht man vom Modell des vollkommenen Angebotsmonopols aus, so ist das gemeinsame Gewinnmaximum der Oligopolisten im Cournotschen Punkt erreicht. Für die Oligopolisten insgesamt ist es also vorteilhaft, gemeinsam die Cournotsche Menge zum Monopolpreis anzubieten. Dies erfordert allerdings eine Absprache unter den Oligopolisten.

Für den einzelnen Anbieter kann es aber z. B. bei Vorliegen einer günstigeren Kostenstruktur am besten sein, wenn er seinen Preis senkt und seinen Marktanteil auf Kosten der anderen erhöht. Er muß aber damit rechnen, daß die anderen Anbieter versuchen, ebenfalls kostengünstiger zu produzieren, und auch ihre Preise senken. Dies führt schließlich dazu, daß der gemeinsame Gewinn aller reduziert wird. Es ist daher letztendlich für den Oligopolisten von Vorteil, sich friedlich zu verhalten.

Preisbildung bei unvollkommenem Markt

Preisdifferenzierung

Auf unvollkommenen Märkten kann ein Anbieter durch Preisdifferenzierung seinen Gewinn erhöhen. Er spaltet dazu den Gesamtmarkt auf und verkauft auf den Teilmärkten gleiche Güter zu unterschiedlichen Preisen. Folgende Arten der Preisdifferenzierung werden unterschieden:

Eine Preisdifferenzierung kann von einem einzelnen Anbieter nur insoweit durchgeführt werden, als er in der Lage ist, seinen Preis selbst festzulegen. Neben dem Monopolisten kann dies auch der Anbieter auf Polypol- und Oligopolmärkten innerhalb seines "monopolistischen Preisspielraumes".

Preisbildung bei unvollkommenem Angebotsmonopol

Der Monopolist kann seinen Gewinn steigern, wenn es ihm gelingt, durch Preisdifferenzierung einen Teil der Konsumentenrente abzuschöpfen. Er verlangt hierzu von denjenigen Nachfragern einen höheren Preis, die entsprechend der Preis-Absatz-Funktion bereit wären, mehr als den Monopolpreis (pc) zu zahlen. Je weiter die Preisdifferenzierung durchgeführt werden kann, desto größer ist der Gesamtgewinn.
 
 

Preisbildung bei unvollkommenem Polypol

Das unvollkommene Polypol stellt die in Wirklichkeit am häufigsten vorkommende Marktform dar. Durch den Einsatz absatzpolitischer Maßnahmen erhält die Preis-Absatz-Funktion des polypolistischen Anbieters einen "monopolistischen Bereich", in dem der Polypolist in begrenztem Rahmen eine eigene Preispolitik betreiben kann.

Die Summe der durch die Absatzpolitik geschaffenen Präferenzen bezeichnet man als akquisitorisches Kapital des Unternehmens. Der Polypolist wird versuchen, sein akquisitorisches Kapital ständig auszubauen, um damit seinen monopolistischen Preisspielraum zu erweitern. Die Nachfragesituation des Polypolisten auf unvollkommenem Markt kann mit Hilfe einer zweifach geknickten Preis-Absatz-Funktion dargestellt werden. An Stelle der beiden Knicke kann auch jeweils ein stetiger Übergang treten: die Kurve nimmt dann einen geschwungenen Verlauf an. Diese Preis-Absatz-Funktion entspricht nicht der Marktnachfragekurve beim monopolistischen Preismodell, sondern stellt die individuelle Nachfragekurve eines einzelnen Polypolisten dar.

Sie läßt sich in folgende Bereiche gliedern:
 
 

Bereich l: Bei einem höheren Preis als (p2) verliert der Polypolist zunehmend Kunden, die auf preiswertere Konkurrenzprodukte ausweichen.
Bereich II: Im Bereich zwischen (p1) und (p2) kann der Polypolist wie ein Angebotsmonopolist Preispolitik betreiben.
Bereich III: Bei einem niedrigeren Preis als (p1) würde der Polypolist sich einer rasch ansteigenden Nachfrage gegenübersehen, die er schließlich aufgrund seiner geringen Größe gar nicht mehr befriedigen könnte.

Das Gewinnmaximum wird wie beim Angebotsmonopol durch den Schnittpunkt der Grenzerlöskurve (E'(x)) mit der Grenzkostenkurve (K'(x)) bestimmt. Dabei kann sich aber je ein gewinnmaximaler Punkt sowohl im Bereich II (C1) als auch im Bereich III (C2) der PAF ergeben. Welcher Punkt das absolute Gewinnmaximum darstellt, kann durch Einsetzen der dazugehörenden Mengen (xc1, xc2 ) in die jeweilige Gewinnfunktion (G(x) = E(x) - K(x)) errechnet werden. Dabei ist zu beachten, daß die gewinnmaximale Menge innerhalb der maximalen Kapazität des Polypolisten liegt.

Preisbildung bei unvollkommenem Angebotsoligopol

Besonders in hochentwickelten Volkswirtschaften ist das unvollkommene Oligopol häufiger anzutreffen, dies trifft z. B. auf den Automobil- und Mineralölmarkt zu. Zur Darstellung der Preisbildung auf diesen Märkten gibt es verschiedene Modelle, die mehr oder weniger empirisch abgesichert sind.

Grundsätzlich kann aber davon ausgegangen werden, daß das Modell des monopolistischen Preisspielraums beim unvollkommenen Polypol auch auf Oligopolmärkte übertragen werden kann, da hier die Oligopolisten ebenfalls versuchen, für ihre Produkte Präferenzen aufzubauen. Der Preisspielraum des Oligopolisten ist unter Umständen sehr klein, da der Markt aufgrund der geringen Teilnehmerzahl für die Nachfrager transparenter als der Polypolmarkt ist und der Oligopolist bei Preisänderungen mit entsprechenden Preisanpassungen seiner Konkurrenten rechnen muß.

Als Beispiel kann hier das Verhalten der Mineralölwirtschaft dienen. Verändert eine Mineralölgesellschaft die Kraftstoffpreise , so ziehen meist die anderen Gesellschaften mit einer gewissen zeitlichen Verzögerung nach.

Staatliche Preispolitik

In einer Marktwirtschaft sollte der Staat sich möglichst wenig in den Preisbildungsprozeß einschalten. In unserem System der Sozialen Marktwirtschaft greift der Staat auf verschiedenen Teilmärkten in den Preismechanismus ein; dies geschieht meist aus sozial-, struktur- oder umweltpolitischen Erwägungen.

Derartige Eingriffe sollten weitgehend indirekt, also marktkonform erfolgen; der freie Preismechanismus wird dabei nicht außer Kraft gesetzt. Beeinflußt der Staat direkt die Preise, gilt ein marktkonträrer (marktinkonformer) Eingriff vor.
 
 

Marktkonforme staatliche Preispolitik

Ein einfaches Beispiel für einen marktkonformen staatlichen Eingriff stellt die Erhebung einer Stücksteuer (z. B. Mineralölsteuer) dar. Die Anbieter müssen in diesem Fall für jede verkaufte Mengeneinheit eines Gutes einen bestimmten konstanten Steuerbetrag an den Staat abführen.

Marktkonträre staatliche Preispolitik

In verschiedenen Wirtschaftsbereichen unterliegen die Preise der Genehmigung durch den Staat. Dies ist z. B. der Fall bei Versicherungsprämien, Honoraren für Notare oder Taxitarifen. Eine Festsetzung der Preise durch den Staat erfolgt einmal bei allen Sachgütern und Dienstleistungen, die er selbst anbietet. Dazu gehören z. B. Bahntarife, die Gebühren für Post, Rundfunk und Fernsehen oder die Eintrittspreise für staatliche Theater und Museen.
 

zurück